Die Historie unserer Genossenschaft
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Vom Beamtenwohnungsverein zur Wohnungsgenossenschaft "Einheit" Brandenburg eG 100 Jahre sicheres und soziales Wohnen Das Genossenschaftswesen entwickelte sich bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als die Industrie ihre erste Blütezeit hatte und viele Menschen vom Lande in die Städte zogen. Dadurch wuchs die Bevölkerung in kürzester Zeit derart stark an, dass es in den Städten zu einer Wohnungsnot kam. Daraufhin wurde zum Ende des 19. Jahrhunderts in den Mittel- und Kleinstädten mit dem Bau von Wasserleitungen und Kanalisation begonnen, was zu einer wesentlichen Erhöhung der Mieten führte. Diese ungerechtfertigte Steigerung der Mieten und die Wohnungsknappheit gab die Anregung zur Gründung von Beamtenwohnungsvereinen. So kam es, dass unter der Leitung des damaligen Ober-Postassistenten Frick die Möglichkeiten zur Gründung eines Beamtenwohnungsvereines auch in Brandenburg/Havel untersucht wurde. Zum 17. Dezember 1901 wurden die Beamten der hiesigen Behörden zur Besprechung eingeladen. Auf der Versammlung, die vom damaligen Herrn Ober-Postassistenten Gain geleitet wurde, waren zahlreiche Beamtenkategorien vertreten. Es wurde der Grund und Zweck der Einberufung erläutert und ein Satzungsentwurf vorgelegt. Dieser wurde beraten und von 31 anwesenden Beamten gutgeheißen und unterschrieben. Damit wurde auch in Brandenburg ein Beamtenwohnungsverein, eine Genossenschaft mit beschränkter Haftung, gegründet.
Die Eintragung in das Genossenschaftsregister erfolgte am 15. Januar 1902. Im gleichen Jahr wurde das erste Grundstück in der Luckenberger Straße 8 erworben. Mit dem Bau des Hauses wurde noch im selben Jahr begonnen, so dass bereits im Herbst das erste Haus dem Verein schlüsselfertig übergeben werden konnte. Zur Finanzierung wurden Hypotheken aufgenommen. Die erste Hypothek wurde vom Vorstand der Landesversicherungsanstalt gegeben. Die zweite Hypothek wurde von den Mitgliedern des Vereins als Sammelhypothek gezeichnet. Damit kam so viel Geld zusammen, dass das gesamte Haus bezahlt werden konnte. Im zweiten Geschäftsjahr wurden dann die Häuser in der ehemaligen Reuscherstraße 1-5 gebaut. Die Mitgliederzahl stieg zusehends, so dass am Ende des dritten Geschäftsjahres der Verein bereits 86 Mitglieder zählte. Ab 1907 wurde begonnen in der Rochowstraße eine Landhaussiedlung zu errichten. So wurden 28000 qm Ackerland erworben, die dann Schritt für Schritt bebaut wurden. Die ersten beiden Häusergruppen - Nr. 1a bis 3 und 4 bis 7 - wurden noch im selben Jahr in Angriff genommen. Die Häuser mit Nr. 8 - 18 folgten dann in den nächsten beiden Jahren. Auch die Straße wurde vom Verein ausgebaut und musste dann der Stadt unentgeltlich überlassen werden. In einem Aufsatz aus dieser Zeit ist überliefert, wie es zur Namensgebung der Rochowstraße kam. Die Vollendung dieser Siedlung erfolgte langsam und stetig. So wurden die letzten Häuser erst in den Jahren 1936 und 1937 errichtet. Heute können wir mit Stolz auf diese schmucken Häuser blicken. “Ein schwieriges
Problem war noch die Namensgebung der Straße. Sie führte zuerst
den schönen Namen Verbindungsstraße zwischen Wilmersdorfer Straße
und Göttiner Weg. Die Polizeibehörde beschloss, sie Fouquestraße
zu benennen. Auf Antrag durch den Verband des Deutschen Beamten-, Bau- und Siedlungsvereins e.V. erhielt mit Wirkung vom 30.April 1933 der Beamten – Wohnungs-Verein zu Brandenburg (Havel) e.G.m.b.H. die Anerkennung als gemeinnütziges Wohnungsunternehmen. Unter der Nummer 36 des Notariatsregisters von 1937 wurde am 3. März 1937 der Beamten - Wohnungsverein e.G.m.b.H. in Brandenburg/Havel zum Mitgesellschafter der Brandenburger Wohnungsfürsorge G.m.b.H. mit einem Stammkapital von 10.000 Reichsmark eingetragen. Dieses Stammkapital beträgt heute 50.000 DM. Die Bautätigkeit setzte sich in den Folgejahren verstärkt fort, so dass der Beamten Wohnungsverein auch in den anderen Teilen der Stadt seine Wurzeln mit dem Bau von Häusern legte. So wurden speziell in den Jahren von 1927 bis 1940 die Grundsteine für Wohnungen auf dem alten Görden, in der Wilhelmsdorfer Vorstadt sowie in der Nähe des Marienberges gelegt. In dieser Zeit wurde sehr viel für die Verbesserung der Wohnsituation in der Stadt getan. So besaß der Beamtenwohnungsverein 520 Wohnungen zum Ende des Jahres 1942.
Leider gingen die letzten Kriegsjahre des 2. Weltkrieges nicht spurlos an unserer Genossenschaft vorbei. In Auswirkung dieses Krieges wurden 91 Wohnungen völlig zerstört. Weitere 18 Wohnungen waren mit erheblichen Teilschäden behaftet. Diese Wohnungen wurden zum Teil wieder aufgebaut bzw. durch Neubauten in den 60er Jahren ersetzt. Viele Genossenschaftsmitglieder hatten einen großen Anteil am Wiederaufbau des zerstörten Grundbesitzes durch zahlreich geleistete Trümmerstunden. Die Trümmergrundstücke in der Reuscherstraße 1-5 wurden der Genossenschaft nach dem Aufbaugesetz vom 4.8.1956 enteignet und der damaligen BRAWOG übergeben. Dafür erhielt die Genossenschaft eine Entschädigung nach dem Entschädigungsgesetz. Auch wurde weiterhin nach 1945 die finanzielle Abwärtsentwicklung der Genossenschaften herbeigeführt. Die durch die Verfügung des Kriegsgesetzes eingeleitete Mietpreisbindung blieb weiterhin bestehen. Dagegen bestanden die Hypotheken auch für die zerstörten Gebäude in voller Höhe weiter, in den alten Bundesländern dagegen wurden die Altkredite der Wohnungsunternehmen im Verhältnis 10:1 abgewertet und vom Staat zinsgünstige Kredite für die Sanierung der zerstörten Wohnungen und für die Errichtung neuer Wohngebäude gewährt. Dadurch kam es zu einer allmählichen Überschuldung bei den Wohnungsunternehmen, von der unsere Wohnungsgenossenschaft jedoch zum Glück verschont blieb. Die ständig anfallende Kreditbelastung (auch für den zerstörten Wohnungsbestand) ging natürlich zu Lasten der Instandhaltung. Mit Datum vom 14.3.1957 wurde die „Verordnung über die Umbildung gemeinnütziger und sonstiger Wohnungsbaugenossenschaften“ verfügt. Dadurch gerieten die Genossenschaften immer mehr in Abhängigkeit zum Staat. Der Hauptinhalt der Umbildung war die Beibehaltung der Mietpreisbindung von 1944. Im Gegenzug gewährte der Staat einen Zuschuss zu den Differenzen zwischen Mieteinnahmen und aufzuwendenden Kosten. Weiterhin wurde eine Aussetzung der Zinszahlungen für Kredite vor 1945 verfügt. Für zu leistende Tilgungen wurde eine jährlich konstante Summe festgesetzt. Dies hatte zur Folge, dass die geplanten materiellen Bilanzen durch den Staat schon in der Planungsphase noch weiter eingeschränkt wurden und dann in der Ausreichung nicht realisiert wurden. Der dadurch entstandene Instandhaltungsrückstau wuchs immer mehr an.
Auch in der Vergabe ihrer Wohnungen wurden die Genossenschaften eingeschränkt. So behielten sich staatliche Stellen vor, die Wohnungen nach Familiengrößen und gesellschaftlichen Engagement zu vergeben. Mit den Beschlüssen von Partei und Regierung zur Förderung des Wohnungsbaus begann in den 70iger Jahren eine neue Ära. Die deutsche Wiedervereinigung 1990 zog auch für alle Wohnungsgenossenschaften rechtliche, wirtschaftliche und soziale Veränderungen nach sich. Innerhalb kürzester Zeit war die Umstellung von der zentralistischen Planwirtschaft in die Marktwirtschaft zu bewältigen. All das geschah vor dem Hintergrund einer Entwicklung, die von ständig wachsender Arbeitslosigkeit und dem Wegfall ganzer Industriekomplexe geprägt war. Zunächst stand unsere Genossenschaft vor der Herausforderung, die Umgestaltung nach bundesdeutschem Recht zu erreichen. Grundlage dazu waren neben einer neuen Satzung auch die Erfüllung umfangreicher verfahrenstechnischer Voraussetzungen, die mit einem enormen Arbeitsaufwand verbunden waren. Am 29.6.1992 erfolgte unter der Nummer 157 des Genossenschaftsregisters beim Amtsgericht Potsdam die Eintragung unter der Firmierung Wohnungsgenossenschaft “Einheit“ Brandenburg eG Damit trat die am 2. März 1991 beschlossene Satzung in Kraft. In den ersten Jahren nach der Wiedervereinigung stand die Bewältigung des großen Nachholbedarfs an Instandsetzung im Vordergrund. Um die Häuser vor weiteren großen Schäden zu schützen, wurde in Absprache zwischen Vorstand und Aufsichtsrat begonnen, ein großflächiges Dachsanierungsprogramm aufzulegen. Dazu wurden die vom Staat ausgegebenen Fördermittel in vollem Umfang genutzt. Nach und nach gingen wir daran, die Häuser umfangreicher zu sanieren. So können wir mit Stolz sagen, dass rund 90% aller Dächer neu gedeckt wurden und bei 75 % eine komplette Hüllensanierung vorgenommen wurde. Bei allen Sanierungsvorhaben wurden weitgehendst die Wünsche und Interessen der Mieter berücksichtigt. So wurde bereits frühzeitig begonnen die Fenster zu erneuern bzw. moderne Heizungen zu installieren. Zum heutigen Zeitpunkt sind so gut wie alle Fenster erneuert, ausgenommen bei Häusern die unter Denkmalschutz stehen oder eine Sanierungsauflage haben. Der Ausstattungsgrad mit modernen Heizungen beträgt ca. 92%. Wurde in den ersten Jahren nach der Wende der Schwerpunkt bei der Sanierung mehr auf die direkten Wohnbereiche gelegt, ist in den letzten Jahren das Wohnumfeld stärker mit einbezogen worden. Für die Modernisierung und Instandsetzung unseres Wohnungsbestandes wurden von 1990 bis heute rund 26,2 Mio. DM investiert.
Um die Wirtschaftlichkeit der Genossenschaft zu verbessern, wurden in den Jahren 1995 und 1996 die Kopenhagener Straße 48-54, die Berner Straße 8-18 und die Brielower Straße 59 mit insgesamt 70 Wohnungs- bzw. Gewerbeeinheiten erworben. Gegenwärtig gehören der Wohnungsgenossenschaft „Einheit“ Brandenburg eG 710 Mitglieder an. Sie besitzt 584 Wohnungen und 9 Gewerberäume sowie 64 Garagen und 72 Stellplätze. Neben den umfassenden unternehmerischen Aufgaben ist die vielfältige Betreuung der Mitglieder wichtigstes Anliegen der führenden Gremien der Genossenschaft. Nach Jahren intensiver Arbeit steht die Wohnungsgenossenschaft „Einheit“ auf stabilen wirtschaftlichen Grundpfeilern. Die satzungsmäßige Aufgabe, „eine gute, sichere und sozial verantwortbare Wohnungsversorgung der Mitglieder der Genossenschaft zu sichern“, bleibt weiterhin prägendes Leitbild der Zukunft. |